Zum Welttag der Suizidprävention: Zusammen können wir Leben retten
Jedes Jahr am 10. September ist internationaler Tag der Suizidprävention. Dieser Tag bietet die Möglichkeit, das Thema Suizid ins Bewusstsein zu rücken, das oft mit Stigma und Schweigen behaftet ist. Den ganzen September finden deshalb weltweit zahlreiche Veranstaltungen statt. Von öffentlichen Informationsveranstaltungen über Social-Media-Kampagnen bis hin zu Gedenkveranstaltungen für Verstorbene – das Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen und Menschen zu ermutigen, über dieses Thema zu sprechen.
Die erschreckenden Zahlen
Im Jahr 2023 starben in Deutschland rund 10.300 Menschen durch Suizid, was etwa einem von 100 Todesfällen entspricht. Das sind mehr Menschen, als im Verkehr (ca. 3.000) und durch Drogen (ca. 1.500) zu Tode kommen. Die Zahl der Suizidversuche ist schätzungsweise 15– bis 20–mal so hoch. Besonders betroffen sind ältere Menschen: Fast die Hälfte der Suizide wurde von Personen ab 65 Jahren begangen, wobei die Rate bei Menschen über 85 Jahren besonders stark anstieg.
Im Gegensatz dazu verzeichneten jüngere Altersgruppen, insbesondere die 35- bis 44-Jährigen, einen deutlichen Rückgang der Suizidzahlen. Bei den unter 25-Jährigen war Suizid jedoch immernoch die häufigste Todesursache. Männer sind weiterhin deutlich häufiger betroffen als Frauen: 2023 begingen 73 % der Suizide Männer.
Was bedeutet Suizidprävention?
Suizidprävention umfasst eine Vielzahl von Maßnahmen, die darauf abzielen, das Risiko für suizidale Handlungen zu reduzieren. Dabei spielen verschiedene Faktoren eine Rolle:
- Offene Gespräche: Eine der wichtigsten Säulen der Prävention ist es, Menschen die Möglichkeit zu geben, offen über ihre Gefühle und Gedanken zu sprechen. Das Gefühl, gehört und verstanden zu werden, kann oft den entscheidenden Unterschied machen. Am Ende des Blogeintrags findest du einen Gesprächsleitfaden.
- Frühwarnzeichen erkennen: Viele Menschen, die suizidgefährdet sind, senden Signale, bevor sie handeln. Dazu gehören beispielsweise das Äußern von Hoffnungslosigkeit und soziale Isolation. Ein weiteres Warnzeichen ist das Ordnen von Angelegenheiten (Testament erstellen, Wertgegenstände verschenken) und Abschied nehmen von Freund:innen und Familie. Diese Anzeichen ernst zu nehmen, kann Leben retten.
- Zugang zu Hilfe und Unterstützung: Es ist wichtig, dass Betroffene wissen, wo sie Unterstützung finden können. Kriseninterventionen, Beratungsstellen und psychologische Betreuung sind essenzielle Angebote, die leicht zugänglich sein müssen.
- Aufklärung und Entstigmatisierung: Suizid und psychische Erkrankungen dürfen kein Tabuthema sein. Nur durch Offenheit und Verständnis können wir die Betroffenen ermutigen, darüber zu sprechen und sich Hilfe zu holen.
Jede:r von uns kann einen Beitrag zur Suizidprävention leisten. Oftmals sind es kleine Gesten der Menschlichkeit, die eine große Wirkung entfalten. Das Zuhören ohne zu urteilen, das Anbieten von Unterstützung oder einfach das Dasein für jemanden in Not können verhindern, dass sich eine Person allein gelassen fühlt.
Gesprächsleitfaden: Wie du mit einer suizidgefährdeten Person sprechen kannst
Wenn du den Verdacht hast, dass jemand über Suizid nachdenkt, ist es wichtig, das Thema direkt anzusprechen. Wähle einen ruhigen Moment für ein Gespräch und sei dabei einfühlsam. Wenn du unsicher bist oder dir das Gespräch zu schwierig erscheint, bitte jemanden, dem du vertraust, das Gespräch zu führen. Auch wenn die betroffene Person nicht gleich reden möchte, kannst du sie ermutigen, mit jemand anderem darüber zu sprechen.
- Einstieg ins Gespräch
Beginne mit einer offenen Frage, z. B.:- „Wie geht es dir?“
- „Ich mache mir Sorgen um dich, weil… (z. B. weil du dich zurückgezogen hast, einen Abschiedsbrief geschrieben hast, etc.).“
- Sorgen äußern
Zeige deine eigenen Ängste und Beobachtungen:- „Ich habe Angst, dass du dir etwas antun könntest.“
- „Ich habe gemerkt, dass du dich in letzter Zeit verändert hast, und das macht mir Sorgen.“
- Direkte Fragen stellen
Scheue dich nicht, direkte Fragen zu stellen, um Klarheit zu schaffen:- „Denkst du daran, dir das Leben zu nehmen?“
- „Hast du schon einen Plan, wie du es tun würdest?“
- „Hast du bereits Vorbereitungen getroffen?“
Was tun, wenn die Suizidgefahr konkret ist?
Wenn die Person einen konkreten Plan hat und bereit ist, diesen bald umzusetzen, musst du sofort handeln:
- Rufe den Rettungsdienst (112)
- Lasse die Person nicht alleine
- Entferne gefährliche Gegenstände oder Substanzen
Unterstützung und Zuhören
Es ist wichtig, die Gefühle der betroffenen Person ernst zu nehmen und Mitgefühl zu zeigen:
- „Es tut mir leid, dass du dich so fühlst.“
- „Ich stelle mir das sehr belastend für dich vor.“
- „Was kann ich für dich tun?“
Biete an, der Person zu helfen und sie zu unterstützen, professionelle Hilfe zu finden.
Professionelle Hilfe suchen
Motiviere die Person, sich professionelle Unterstützung zu holen, und biete an, sie zu begleiten oder den Kontakt gemeinsam herzustellen.
Was du vermeiden solltest
Vermeide moralische Vorwürfe, Bagatellisierungen oder Kritik:
- „So etwas darfst du nicht denken.“
- „Morgen wird es schon besser.“
- „Es gibt Menschen, denen es noch schlechter geht.“
Vermeide es, schnelle Lösungen vorzuschlagen oder die Person zu provozieren: - „Das wirst du sowieso nicht tun.“
Ein Tag für die Hoffnung
Der Welttag der Suizidprävention erinnert uns daran, dass Suizid kein unabwendbares Schicksal ist. Durch Prävention, Empathie und frühzeitige Intervention können wir Leben retten. Indem wir das Bewusstsein für dieses Thema schärfen und das Stigma abbauen, schaffen wir eine Welt, in der Menschen sich nicht alleine fühlen und die Hilfe bekommen, die sie brauchen.
Lasst uns gemeinsam für das Leben einstehen – jeden Tag.
Hilfetelefon bei Suizidgedanken:
Telefonseelsorge 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 (rund um die Uhr)
Hilfe im Akutfall: 112
Eine Auflistung verschiedener online/ offline Hilfsangebote findest du hier:
Quelle:


