Zum Inhalt springen
geschulte Kinder
0
geschulte Erwachsene
0
absolvierte Kurse
0

Abkühlung mit Risiko?

Warum Du an heißen Tagen nicht einfach ins kalte Wasser springen solltest

Seit Tagen klettern die Temperaturen auf sommerliche Werte, vielerorts werden deutlich über 25 Grad erreicht. Kein Wunder also, dass es viele Menschen am Wochenende an Seen, Flüsse und ins Freibad zieht. Nach Stunden in der Sonne scheint der Sprung ins kühle Wasser die perfekte Erfrischung zu sein.

Doch genau dieser spontane Sprung kann gefährlich werden.

Was viele nicht wissen: Der plötzliche Wechsel von großer Hitze zu kaltem Wasser kann einen sogenannten Kälteschock auslösen. Dieser tritt zwar vergleichsweise selten auf, kann aber innerhalb von Sekunden lebensbedrohlich werden. Deshalb lohnt es sich, die Risiken zu kennen und einige einfache Vorsichtsmaßnahmen zu beachten.

Was ist ein Kälteschock?

Ein Kälteschock ist eine unmittelbare Reaktion des Körpers auf den plötzlichen Kontakt mit kaltem Wasser. Besonders groß ist das Risiko, wenn der Körper zuvor stark aufgeheizt wurde – etwa durch Sonnenbaden, Sport oder körperliche Anstrengung.

Viele Menschen denken bei kaltem Wasser zunächst an Unterkühlung. Tatsächlich ist ein Kälteschock jedoch etwas völlig anderes. Während sich eine Unterkühlung meist langsam entwickelt, tritt ein Kälteschock innerhalb von Sekunden auf.

Dabei versucht der Körper gleichzeitig auf zwei unterschiedliche Reize zu reagieren: auf das Eintauchen ins Wasser und auf die plötzliche Kälte. Diese beiden Schutzmechanismen können den Organismus stark belasten und in seltenen Fällen sogar lebensgefährliche Folgen haben.

Was passiert dabei im Körper?

Beim Kontakt mit kaltem Wasser schlagen die körpereigenen Alarmsysteme sofort an.

Die Blutgefäße ziehen sich schlagartig zusammen, der Blutdruck steigt an und das Herz-Kreislauf-System wird stark belastet. Gleichzeitig kann die Atmung außer Kontrolle geraten. Viele Betroffene schnappen reflexartig nach Luft oder beginnen plötzlich sehr schnell zu atmen.

Kommt es dabei zu einer Panikreaktion oder gerät Wasser in die Atemwege, kann die Situation schnell kritisch werden.

Besonders problematisch ist, dass diese Reaktionen oft innerhalb der ersten Minuten nach dem Eintauchen auftreten. Betroffene haben häufig keine Zeit, sich an die Situation anzupassen oder Hilfe zu holen.

Warum Hitze und kaltes Wasser eine gefährliche Kombination sein können

Gerade jetzt, zu Beginn der warmen Jahreszeit, ist das Risiko erhöht. Während die Lufttemperaturen an sonnigen Tagen problemlos über 30 Grad steigen können, sind viele Seen und Flüsse noch deutlich kühler.

Dieser Temperaturunterschied stellt eine enorme Belastung für den Körper dar.

Wer längere Zeit in der Sonne gelegen hat und anschließend ohne Vorbereitung ins Wasser springt, setzt Herz, Kreislauf und Atmung einem plötzlichen Stressreiz aus. Das gilt nicht nur für ältere Menschen oder Personen mit Vorerkrankungen. Auch junge, gesunde und sportliche Menschen können betroffen sein.

Deshalb warnen Wasserrettungsorganisationen jedes Jahr erneut davor, überhitzt ins kalte Wasser zu springen.

Wer ist besonders gefährdet?

Grundsätzlich kann ein Kälteschock jede Person treffen. Einige Gruppen haben jedoch ein erhöhtes Risiko:

  • Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • ältere Menschen
  • Personen mit Bluthochdruck
  • Menschen, die Alkohol konsumiert haben
  • Personen nach intensiver körperlicher Belastung
  • Stand-up-Paddler:innen, Bootsfahrer:innen oder Wassersportler:innen, die unerwartet ins Wasser fallen

Aber auch Kinder und Jugendliche sollten die Gefahr nicht unterschätzen. Gerade in Gruppen wird manchmal spontan ins Wasser gesprungen, ohne vorher die Wassertemperatur oder die eigenen körperlichen Grenzen zu berücksichtigen.

Welche Symptome können auftreten?

Ein Kälteschock kann sich unterschiedlich bemerkbar machen. Mögliche Anzeichen sind:

  • plötzliches Luftschnappen
  • schnelle, unkontrollierte Atmung
  • Schwindel
  • Herzrasen
  • Kreislaufprobleme
  • Muskelkrämpfe
  • Orientierungslosigkeit
  • Atemnot

In schweren Fällen kann es zu Bewusstlosigkeit kommen. Im Wasser besteht dann akute Lebensgefahr durch Ertrinken.

Kälteschock oder Unterkühlung – wo liegt der Unterschied?

Die beiden Begriffe werden häufig verwechselt.

Eine Unterkühlung entsteht, wenn der Körper über längere Zeit Wärme verliert. Die Körpertemperatur sinkt dabei nach und nach ab. Typische Anzeichen sind Zittern, blaue Lippen, Erschöpfung und zunehmende Schwäche.

Ein Kälteschock hingegen tritt unmittelbar nach dem Kontakt mit kaltem Wasser auf. Die Gefahr entsteht nicht durch die Abkühlung des gesamten Körpers, sondern durch die plötzliche Reaktion von Kreislauf, Herz und Atmung.

Beides kann gefährlich sein – allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

So kannst Du einem Kälteschock vorbeugen

Die gute Nachricht: Mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko deutlich reduzieren.

Nicht überhitzt ins Wasser springen

Wenn Du längere Zeit in der Sonne warst, solltest Du Deinem Körper zunächst etwas Zeit geben, sich abzukühlen.

Langsam ins Wasser gehen

Statt direkt hineinzuspringen, ist es sinnvoll, zunächst Füße, Beine und Arme mit Wasser zu benetzen. Anschließend können Gesicht, Nacken und Oberkörper langsam abgekühlt werden.

Vorher duschen

Viele Freibäder empfehlen nicht ohne Grund das Duschen vor dem Baden. Dadurch gewöhnt sich der Körper bereits an die niedrigere Temperatur.

Alkohol vermeiden

Alkohol beeinträchtigt die Wahrnehmung, das Reaktionsvermögen und die Fähigkeit, Risiken richtig einzuschätzen. Gleichzeitig kann er den Kreislauf zusätzlich belasten.

Auf Warnsignale achten

Wer sich schwindelig fühlt, Herzrasen bemerkt oder sich allgemein unwohl fühlt, sollte nicht ins Wasser gehen und den Körper zunächst ruhen lassen.

Was tun im Notfall?

Wenn eine Person nach dem Sprung ins Wasser plötzlich Schwierigkeiten beim Atmen bekommt, bewusstlos wird oder Anzeichen eines Kreislaufzusammenbruchs zeigt, sollte sofort Hilfe gerufen werden.

Wichtige Maßnahmen:

  • Person möglichst schnell aus dem Wasser bringen
  • Notruf 112 verständigen
  • Bewusstsein und Atmung kontrollieren
  • bei Bewusstlosigkeit stabile Seitenlage anwenden
  • bei fehlender Atmung Wiederbelebungsmaßnahmen beginnen

Im Zweifelsfall gilt immer: Lieber einmal zu früh Hilfe holen als zu spät.

Gutes Wetter genießen – aber mit Vorsicht

Die Abkühlung im See, Fluss oder Freibad gehört für viele Menschen zu einem gelungenen Sommertag dazu. Daran ist grundsätzlich auch nichts auszusetzen. Wichtig ist lediglich, dem eigenen Körper die Möglichkeit zu geben, sich auf den Temperaturwechsel einzustellen.

Ein paar Minuten Geduld können dabei einen entscheidenden Unterschied machen.

Wenn Du langsam ins Wasser gehst, auf Deinen Körper hörst und Risiken nicht unterschätzt, steht einem sicheren und entspannten Badetag nichts im Weg. Genieße das schöne Wetter, achte auf Dich und Deine Mitmenschen – und gönne Deinem Körper die Zeit, die er braucht.

Bayerischer Rundfunk

Mitteldeutscher Rundfunk

Schweizerische Lebensrettungs-Gesellschaft SLRG

Quarks

Entdecke mehr von EducAid e.V.

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen