So kannst du dich schützen und warum Vorsorge wichtig ist
Sobald die Temperaturen steigen, zieht es viele Menschen wieder nach draußen: Spaziergänge im Park, Wanderungen, Zeit im Garten oder Spielen auf der Wiese gehören für viele zum Alltag im Frühling und Sommer dazu. Mit den wärmeren Monaten beginnt allerdings auch die Zeckensaison.
Die kleinen Parasiten sind in Deutschland weit verbreitet und können Krankheitserreger übertragen. Das bedeutet jedoch nicht, dass jeder Zeckenstich automatisch gefährlich ist. Mit dem richtigen Wissen und einigen einfachen Vorsorgemaßnahmen kannst du das Risiko deutlich reduzieren und die Zeit in der Natur trotzdem unbeschwert genießen.
Was sind Zecken eigentlich?
Zecken sind kleine Spinnentiere, die sich vom Blut anderer Lebewesen ernähren. Anders als oft angenommen fallen sie nicht von Bäumen. Sie sitzen meist in bodennaher Vegetation – zum Beispiel im hohen Gras, in Büschen, an Waldrändern oder im Unterholz – und werden beim Vorbeigehen abgestreift.
Zecken gibt es nicht nur im Wald. Auch Parks, Gärten, Spielplätze oder Wiesen in Städten können Lebensräume für Zecken sein.
Hat sich eine Zecke am Körper festgesetzt, sucht sie häufig zunächst mehrere Minuten oder sogar Stunden nach einer geeigneten Stelle zum Stechen. Besonders beliebt sind warme und geschützte Hautbereiche wie Kniekehlen, Achseln, Hals, Haaransatz oder der Bereich hinter den Ohren.
Übrigens: Medizinisch spricht man von einem Zeckenstich und nicht von einem Zeckenbiss. Die Zecke ritzt die Haut mit ihren Mundwerkzeugen an und verankert anschließend ihren Stechrüssel im Gewebe.
Warum können Zecken gefährlich sein?
Der eigentliche Stich ist meist harmlos und oft sogar schmerzfrei. Problematisch wird es, wenn Zecken Krankheitserreger übertragen. In Deutschland spielen dabei vor allem zwei Erkrankungen eine wichtige Rolle:
Borreliose
Borreliose wird durch Bakterien verursacht und kann in ganz Deutschland auftreten. Nicht jede Zecke trägt die Erreger in sich, dennoch gehört Borreliose zu den häufigsten durch Zecken übertragenen Krankheiten.
Ein typisches erstes Anzeichen ist die sogenannte Wanderröte: eine ringförmige Hautrötung rund um die Einstichstelle, die sich langsam ausbreitet. Zusätzlich können grippeähnliche Beschwerden auftreten.
Wird Borreliose früh erkannt, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln. Unbehandelt können jedoch langfristige Beschwerden entstehen, etwa an Gelenken, Nerven oder dem Herz.
FSME
FSME steht für Frühsommer-Meningoenzephalitis. Dabei handelt es sich um eine Virusinfektion, die zu Entzündungen der Hirnhäute, des Gehirns oder des Rückenmarks führen kann.
FSME tritt besonders häufig in bestimmten Risikogebieten auf, vor allem in Süddeutschland. Allerdings werden inzwischen auch in anderen Regionen Deutschlands immer wieder Fälle registriert.
Im Gegensatz zur Borreliose gibt es gegen FSME keine ursächliche Behandlung mit Medikamenten. Deshalb spielt die Vorsorge hier eine besonders wichtige Rolle.
Die gute Nachricht: Gegen FSME gibt es eine wirksame Schutzimpfung.
Zecken: Häufige Irrtümer
Rund um Zecken halten sich bis heute viele Mythen. Einige davon können sogar gefährlich sein.
„Wenn ich die Zecke schnell entferne, bin ich komplett sicher.“
Das Risiko für Borreliose sinkt deutlich, wenn eine Zecke schnell entfernt wird. FSME-Viren können sehr früh beim Stich übertragen werden, daher schützt schnelles Entfernen hier nicht zuverlässig.
„Öl oder Klebstoff helfen beim Entfernen.“
Davon wird ausdrücklich abgeraten. Die Zecke kann dadurch gereizt werden und möglicherweise mehr Krankheitserreger abgeben.
„Nur Menschen in Risikogebieten müssen aufpassen.“
Zecken gibt es bundesweit. Auch außerhalb offizieller FSME-Risikogebiete können Krankheitserreger übertragen werden.
So kannst du dich vor Zecken schützen
Ein hundertprozentiger Schutz ist zwar nicht möglich, aber einige einfache Maßnahmen helfen dabei, das Risiko deutlich zu verringern.
Lange und helle Kleidung tragen
Lange Hosen, geschlossene Schuhe und Kleidung mit langen Ärmeln erschweren Zecken den Zugang zur Haut. Helle Kleidung hilft außerdem dabei, Zecken schneller zu entdecken.
Praktisch ist es auch, die Hosenbeine in die Socken zu stecken, besonders bei Wanderungen oder Aufenthalten im hohen Gras.
Zeckensprays verwenden
Repellents mit Wirkstoffen wie DEET oder Icaridin können Zecken für einige Stunden fernhalten. Wichtig ist jedoch: Die Wirkung ist zeitlich begrenzt und ersetzt keine anderen Schutzmaßnahmen.
Nach Aufenthalten im Grünen absuchen
Nach Spaziergängen, Gartenarbeit oder Ausflügen in die Natur solltest du deinen Körper gründlich nach Zecken absuchen. Besonders wichtig sind:
- Kniekehlen
- Achseln
- Hals
- Haaransatz
- hinter den Ohren
-
Bauch- und Leistenbereich
Bei Kindern sitzen Zecken häufig auch am Kopf oder im Nacken.
FSME-Impfung prüfen
Wenn du in einem FSME-Risikogebiet wohnst oder dorthin reist und dich regelmäßig im Grünen aufhältst, kann eine FSME-Impfung sinnvoll sein.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Impfung für Menschen mit erhöhtem Risiko. Sprich am besten mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt darüber.
Was tun nach einem Zeckenstich?
Wenn du eine Zecke entdeckst, solltest du sie möglichst schnell entfernen.
Am besten funktioniert das mit:
- einer feinen Pinzette
- einer Zeckenkarte
-
einer speziellen Zeckenzange
Die Zecke sollte möglichst nah an der Haut gefasst und langsam gerade herausgezogen werden. Wichtig ist, den Körper der Zecke nicht zu quetschen.
Danach solltest du:
- die Stelle desinfizieren
- die Einstichstelle in den nächsten Wochen beobachten
-
bei Beschwerden ärztlichen Rat einholen
Zum Arzt solltest du insbesondere gehen, wenn:
- eine ringförmige Rötung entsteht
- grippeähnliche Beschwerden auftreten
-
Fieber, Kopf- oder Gelenkschmerzen hinzukommen
Zeckenschutz bei Kindern und Haustieren
Kinder verbringen oft viel Zeit draußen und kommen dadurch häufiger mit Zecken in Kontakt. Deshalb ist es wichtig, sie nach dem Spielen im Grünen gründlich abzusuchen.
Auch Haustiere wie Hunde und Katzen sollten regelmäßig kontrolliert werden. Für Tiere gibt es spezielle Schutzmittel, die mit Tierärzt:innen abgesprochen werden sollten.
Wichtig: Manche Anti-Zeckenmittel für Hunde sind für Katzen gefährlich. Deshalb niemals Medikamente oder Präparate ohne Rücksprache übertragen.
Natur genießen – aber vorbereitet
Zecken gehören inzwischen vielerorts zum Alltag in der Natur. Das bedeutet jedoch nicht, dass man auf Spaziergänge, Ausflüge oder Zeit im Grünen verzichten muss.
Wer sich informiert, einfache Schutzmaßnahmen beachtet und Zecken schnell entfernt, kann das Risiko deutlich senken. Besonders wichtig ist dabei, aufmerksam zu bleiben – aber nicht in Panik zu geraten.
Denn Vorsorge beginnt oft mit kleinen Gewohnheiten: lange Kleidung, gründliches Absuchen und das Wissen darüber, worauf man achten sollte.
Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention
Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit
NABU e.V. – Was Sie über Zecken wissen sollten


