Zum Inhalt springen
geschulte Kinder
0
geschulte Erwachsene
0
absolvierte Kurse
0

Woche der Wiederbelebung 2025

Dein Handgriff kann Leben retten

Jedes Jahr erleiden in Deutschland rund 60.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb des Krankenhauses. Das sind mehr als 160 Menschen pro Tag und nur 11% überleben. Die meisten von ihnen hätten eine deutlich höhere Überlebenschance, wenn sofort jemand eingreifen und helfen würde.

Genau daran erinnert die Woche der Wiederbelebung, die dieses Jahr vom 22. bis 28. September 2025 stattfindet. Ziel ist es, über die Bedeutung der Reanimation aufzuklären, Ängste abzubauen und möglichst viele Menschen in die Lage zu versetzen, im Notfall Leben zu retten. Jede:r kann zum Lebensretter werden!

Warum Wiederbelebung so wichtig ist

Bei einem plötzlichen Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Bereits nach 3–5 Minuten ohne Sauerstoff treten schwere Hirnschäden auf. Der Rettungsdienst braucht im Schnitt jedoch 8 bis 10 Minuten, bis er am Einsatzort eintrifft. Das bedeutet: Ersthelfer:innen überbrücken die entscheidende Zeit und machen den Unterschied zwischen Leben und Tod.

Eine sofort begonnene Herzdruckmassage verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschancen. Gleichzeitig gilt: Mit jeder Minute, in der keine Herzdruckmassage durchgeführt wird, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um etwa 10 %. Und doch liegt die Laienreanimationsquote in Deutschland bei nur etwa 50 %. Das heißt: In der Hälfte aller Fälle schauen Umstehende zu, statt zu handeln.

Herz-Kreislauf-Stillstand – was passiert da eigentlich?

Ein Herz-Kreislauf-Stillstand bedeutet: Das Herz hört plötzlich auf, wirksam zu pumpen. Blut und Sauerstoff gelangen nicht mehr in den Körper, vor allem nicht ins Gehirn. Ohne sofortige Hilfe führt das innerhalb weniger Minuten zum Tod.

Typische Ursachen sind u. a.:

  • Herzinfarkt oder andere Herzrhythmusstörungen,
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit,
  • schwere Lungenerkrankungen,
  • schwere Unfälle, Stromunfälle oder Schockzustände.

 

Erkennen kannst Du einen Herz-Kreislauf-Stillstand daran, dass die Person plötzlich bewusstlos ist, keinen Puls hat und nicht atmet.

Der einzige Fehler: nichts tun

„Viele Menschen haben Angst, etwas falsch zu machen und zögern daher“, erklärt Prof. Gräsner, Sprecher des Organisationskomitees des Deutschen Reanimationsregisters. „Dabei ist der einzige Fehler, den man machen kann, nichts zu tun.“

Und genau das ist die Botschaft, die wir alle verinnerlichen sollten: Es ist immer besser, etwas zu tun, als gar nichts. Schon einfache Maßnahmen können Leben retten.

Reanimation – die entscheidenden Schritte

Vielleicht hast Du schon einmal den Merksatz gehört: Prüfen – Rufen – Drücken. Diese drei Schritte sind entscheidend und können einen Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen:

1. Prüfen: Reagiert die Person noch? Atmet sie normal?

    • Sprich die Person laut und deutlich an.
    • Rüttle sie vorsichtig an den Schultern.
    • Kontrolliere die Atmung: Lege den Kopf nach hinten, halte Dein Ohr nah an Mund und Nase und hören, sehen, fühlen – hörst Du Atemgeräusche, spürst Du Luftstrom, siehst Du, wie sich der Brustkorb hebt und senkt?
    • Wichtig: Schnappatmung oder Röcheln sind keine normale Atmung.

 

2. Rufen: Wähle den Notruf 112.

    • Ruf sofort den Notruf 112 oder bitte Umstehende darum.
    • Stell das Handy am besten auf Lautsprecher, so kannst Du direkt mit der Herzdruckmassage beginnen und den Anweisungen der Leitstelle folgen.
    • Mach laut auf Dich aufmerksam, vielleicht gibt es in der Nähe Helfer:innen, die Dich unterstützen können.

 

3. Drücken: Beginne sofort mit der Herzdruckmassage – kräftig und ohne Unterbrechung.

So geht’s:

    • Knie Dich seitlich neben die Person.
    • Lege einen Handballen auf die Mitte des Brustbeins, die andere Hand obenauf.
    • Strecke die Arme durch, beuge Dich senkrecht über den Brustkorb.
    • Drücke das Brustbein 5–6 cm tief und zwar 100–120 Mal pro Minute, also etwa zweimal pro Sekunde.
    • Tipp: Orientiere Dich am Rhythmus von bekannten Lieder wie „Stayin’ Alive“.
    • Wechsle Dich ab, wenn mehrere Helfer:innen da sind, aber ohne Pause.
    • Mach so lange weiter, bis der Rettungsdienst übernimmt.

 

Viele Fachgesellschaften empfehlen, dass Laien ausschließlich die Herzdruckmassage durchführen und auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten.

Warum so viele zögern

Trotz klarer Anleitungen haben viele Menschen Angst:

  • Angst, etwas falsch zu machen.
  • Angst, die Person zu verletzen.
  • Angst vor rechtlichen Konsequenzen.

 

Doch:

  • Rechtlich bist Du abgesichert. Wer in einer Notlage hilft, haftet nicht, solange er nicht grob fahrlässig handelt.
  • Rippen können brechen, aber das ist im Notfall zweitrangig. Ein Knacken oder Brechen ist oft ein Hinweis darauf, dass Du kräftig genug drückst und die Herzdruckmassage wirksam ist.
  • Falsch machen kannst Du praktisch nichts, schlimmer wäre es, gar nicht zu helfen.

 

Besonders wichtig zu wissen: Rund 70 % der Herz-Kreislauf-Stillstände treten zu Hause auf, weitere 15 % in der Öffentlichkeit. In fast der Hälfte aller Fälle sind Angehörige, Freund:innen oder Passant:innen direkt dabei – und könnten sofort eingreifen.

Würden Umstehende in diesen Momenten beherzt mit der Herzdruckmassage beginnen, könnten in Deutschland jedes Jahr etwa 10.000 Leben gerettet werden, europaweit sogar über 100.000.

Diese Zahlen machen klar: Wissen und Mut zur Wiederbelebung sind echte Lebensretter.

Wiederbelebung lernen – und auffrischen

Die gute Nachricht: Wiederbelebung ist keine komplizierte Wissenschaft. Schon ein kurzer Crashkurs kann reichen, um im Ernstfall sicher und entschlossen zu handeln. Und das Beste: Es gibt viele Gelegenheiten, Dein Wissen regelmäßig aufzufrischen, oft direkt in Deiner Nähe.

Die Woche der Wiederbelebung bietet bundesweit Aktionen, bei denen Du aktiv werden kannst: von Infoveranstaltungen über praktische Trainings bis hin zu Mitmach-Aktionen in Schulen und Vereinen.

Auch wir von EducAid e.V. sind mit dabei. In Jena laden wir Dich zu kostenlosen Crashkursen ein, bei denen Du selbst ausprobieren kannst, wie sich eine Herzdruckmassage anfühlt – und so das nötige Selbstvertrauen gewinnst.

Unsere Termine in Jena:

  • Donnerstag, 25. September: Erste-Hilfe-Kurse für Studierende in Kooperation mit dem StuRa der Friedrich-Schiller-Universität. Von 12:00 bis 17:00 Uhr in der Carl-Zeiss-Straße 3, in kompakten Einheiten à 45 Minuten.
  • Freitag, 26. September: Offene Crashkurse für alle Interessierten ab 12 Jahren. Von 14:00 bis 18:00 Uhr in der Bürgerstiftung Jena Saale-Holzland. Einfach kurz unter 0151-22856370 anmelden.

 

Du bist nicht in Jena? Kein Problem – schau doch mal, welche Aktionen in Deiner Region stattfinden. Jede Übung bringt Dich einen Schritt näher dazu, im Notfall Leben retten zu können.

Dein Zeichen – Wissen auffrischen, Leben retten

Herz-Kreislauf-Stillstände passieren oft unerwartet – zuhause, im Büro, auf der Straße. Niemand plant so eine Situation, aber jede:r von uns kann in die Lage kommen, erste Hilfe leisten zu müssen.

Die Woche der Wiederbelebung zeigt uns: Jede:r kann helfen, und jede:r sollte wissen, wie.

Also:

  • Setz Dein Zeichen.
  • Frische Dein Wissen auf.
  • Informiere Dich, welche Aktionen es in Deiner Stadt gibt.

 

Denn Dein Handgriff kann Leben retten – vielleicht schon morgen, vielleicht sogar heute.

 

Bundesministerium für Gesundheit

Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin

Ein Leben retten

Deutsche Herzstiftung

Nationales Aktionsbündnis Wiederbelebung

Entdecke mehr von EducAid e.V.

Jetzt abonnieren, um weiterzulesen und auf das gesamte Archiv zuzugreifen.

Weiterlesen