Am 5. Oktober ist der Internationale Epilepsie-Tag, ein Tag, der weltweit dazu dient, das Bewusstsein für Epilepsie zu schärfen und die Herausforderungen, mit denen Betroffene täglich konfrontiert sind, in den Fokus zu rücken. Epilepsie betrifft etwa 50 Millionen Menschen weltweit und ist somit eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen ist. Dieser Tag wollen wir zum Anlass nehmen, über Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten aufzuklären. Außerdem findest du ganz am Ende eine Erklärung, wie du bei einem epileptischen Anfall Erste Hilfe leistest.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist eine chronische neurologische Erkrankung, bei der die normale Aktivität des Gehirns gestört ist. Epilepsie ist ein Spektrum und kann mit einer Vielzahl von unterschiedlichen Symptomen einhergehen, hierbei wird in fokaler und generalisierter Epilepsie unterschieden.
Generalisierte Anfälle erfassen das gesamte Gehirn. Sie sind nicht unbedingt schwerer als Anfälle einzelner Hirnbereiche (fokale Anfälle), führen aber häufiger zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen im ganzen Körper. Fokale Anfälle entstehen in einem bestimmten Bereich des Gehirns. Welche Symptome auftreten, hängt davon ab, für welche Funktion dieser Bereich zuständig ist. Symptome die Auftreten können sind zum Beispiel ungewöhnliche Sinneswahrnehmungen, kurze Episoden von Verwirrtheit, verminderte Reaktion auf Ansprache oder Sehstörungen, ungewöhnliche Gedanken, Gefühle oder Wahrnehmungen, unkontrollierte Bewegungen oder Zuckungen sowie Missempfindungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle. Manchmal ziehen Betroffene ungewollt Grimassen, lecken sich wiederholt die Lippen oder machen ganze Bewegungsabfolgen, wie zum Beispiel mit der Hand an die Stirn greifen oder sich über den Kopf streichen. Wichtig ist, bei mehrmaligem Auftreten von Symptomen dies ärztlich abklären zu lassen, um mögliche Auslöser wie Entzündungen im Gehirn, einen unbemerkten Schlaganfall oder einen Tumor abzuklären.
Für die Diagnose muss ein einmaliger Anfall von Epilepsie unterschieden werden. Die Diagnose wird erst vergeben, wenn mindestens zwei Anfälle im Abstand von mehr als 24 Stunden auftreten oder wenn ein Anfall aufgetreten ist und eine Wahrscheinlichkeit von mehr als 60 % für einen weiteren Anfall in den nächsten 10 Jahren gegeben ist, beispielsweise durch neurologische Erkrankungen.
Ursachen von Epilepsie
Die Ursachen von Epilepsie sind vielfältig. In vielen Fällen bleibt die genaue Ursache unbekannt, doch es gibt einige häufige Faktoren, die mit der Entwicklung der Erkrankung in Verbindung gebracht werden. In manchen Familien trifft die Erkrankung über mehrere Generationen auf, das weist auf eine genetische Veranlagung hin. Zudem können mögliche Ursachen, traumatische Hirnverletzungen durch Unfälle, Schlaganfälle, Hirntumore und Infektionen sein.
Behandlungsmöglichkeiten
Epilepsie kann nicht geheilt werden, aber sie kann durch verschiedene Behandlungsansätze kontrolliert werden. Die meisten Menschen mit Epilepsie leben ein weitgehend normales Leben, wenn sie die richtige Behandlung erhalten. Zu den häufigsten Behandlungsansätzen gehören: Medikamentöse Behandlung mit Antiepileptika. Die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Anfälle, dem Alter des Patienten und anderen gesundheitlichen Faktoren ab. In Fällen, in denen die Anfälle nicht medikamentös kontrolliert werden können, kann bei fokaler Epilepsie eine Operation in Betracht gezogen werden. Ziel ist es, den betroffenen Hirnbereich, der die Anfälle auslöst, zu entfernen oder zu isolieren. Dies ist aber nicht immer möglich. Eine weitere Alternative ist die Vagusnerv-Stimulation. Hier wird ein kleiner Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich implantiert, um den Vagusnerv zu stimulieren und Anfälle zu reduzieren. Da es bisher nur wenige wissenschaftliche Belege für diese Methode gibt, wird es nur selten von den Krankenkassen bezahlt.
Was tun bei einem epileptischen Anfall? Erste Hilfe in fünf Schritten
Es ist entscheidend zu wissen, wie man schnell und sicher handelt, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Hier sind die grundlegenden Schritte, die du befolgen solltest:
Lass die betroffene Person nicht allein, es sei denn, du bist die einzige, die Hilfe rufen kann.
Umgebung sichern: Unterlege den Kopf mit einer Jacke oder einem Kissen und entferne alle Gegenstände, die Verletzungen verursachen könnten, aus dem Umfeld. Vermeide es, die Person festzuhalten oder auf den Boden zu drücken, da dies zu Verletzungen für beide Seiten führen kann.
Achte auf die Zeit – ein Anfall dauert meist ein bis zwei Minuten. Sollte er nach spätestens fünf Minuten nicht enden, rufe den Notarzt unter 112, da es sich um einen „Status epilepticus“ handeln könnte, der dringend mit Medikamenten behandelt werden muss, um bleibende Hirnschäden oder schlimmere Folgen zu verhindern.
Sorge dafür, dass die Atemwege frei bleiben, indem du enge Kleidung am Hals oder Oberkörper lockerst. Auch wenn die Person sich möglicherweise auf die Zunge beißt, versuche nicht, den Mund zu öffnen oder Gegenstände zwischen die Zähne zu schieben.
Nach dem Anfall ist es wichtig, dass die Atemwege frei bleiben. Lege die Person in die Stabile Seitenlage und bleibe bei ihr, bis sie vollständig wieder zu sich kommt. Viele Menschen brauchen nach einem Anfall etwas Zeit, um sich zu erholen. Achte darauf, Privatsphäre zu schaffen, da der Vorfall für die Betroffenen oft unangenehm ist, besonders in der Öffentlichkeit. Sollte die Person während des Anfalls Urin verloren haben, kannst du sie mit einer Jacke zudecken, um Wärme zu spenden und sie vor neugierigen Blicken zu schützen.
Epilepsie ist eine weit verbreitete Erkrankung, die mit den richtigen Informationen und Maßnahmen gut begleitet werden kann. Der Internationale Epilepsie-Tag erinnert uns daran, wie wichtig es ist, das Bewusstsein für diese Erkrankung zu stärken und Menschen im Alltag zu unterstützen.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie man bei einem epileptischen Anfall richtig reagiert, komm doch mal bei einem unserer Erste-Hilfe-Kurse vorbei.
Quellen:
https://hirnstiftung.org/2024/02/epilepsie-symptome
https://www.gesundheitsinformation.de/epilepsie.html#Behandlung


