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Sicher im Wasser

Badesicherheit und Ertrinken: Wie man sich schützt und welche Maßnahmen helfen

Ertrinken gehört zu den häufigsten unfallbedingten Todesursachen, insbesondere in den Sommermonaten, wenn viele Menschen an Seen, Flüssen und Meeren unterwegs sind. Laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) sind im Jahr 2023 in Deutschland 378 Menschen ertrunken. Diese Zahl verdeutlicht, wie wichtig Prävention und Sicherheitsbewusstsein sind.

Die alarmierende Statistik: Ein Überblick

Die Zahl der Ertrinkungsfälle variiert von Jahr zu Jahr, aber sie bleibt konstant hoch. Besonders besorgniserregend ist, dass ein großer Anteil der Opfer Kinder und ältere Menschen sind. Die DLRG berichtet, dass die meisten tödlichen Unfälle in Binnengewässern wie Seen und Flüssen geschehen, während Unfälle in Schwimmbädern oder an der Küste weniger häufig vorkommen. Besonders gefährlich sind ungesicherte oder abgelegene Badeplätze, die oft nicht überwacht werden und wo Hilfe im Notfall nicht sofort zur Stelle ist.

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Statistik ist, dass viele Ertrinkungsfälle in unmittelbarer Nähe von anderen Menschen geschehen, ohne dass jemand das Unglück bemerkt. Ertrinken ist oft ein stiller Prozess, bei dem die Betroffenen nicht um Hilfe rufen können. Besonders Kinder ertrinken häufig leise, weil sie keine Kraft haben, sich über Wasser zu halten oder auf sich aufmerksam zu machen.

Gefährdete Gruppen und besondere Risiken

Kinder: Kinder unter fünf Jahren sind besonders gefährdet. Ihr mangelndes Verständnis für die Gefahren des Wassers und ihre fehlenden Schwimmfähigkeiten machen sie anfällig für Unfälle. Auch ältere Kinder, die bereits schwimmen können, unterschätzen oft die Gefahren von Strömungen und tiefem Wasser.

Ältere Menschen: Senior:innen sind ebenfalls stark gefährdet, da sie oft gesundheitliche Probleme haben, die ihre Schwimmfähigkeiten beeinträchtigen. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder plötzliche Schwächeanfälle können im Wasser schnell lebensbedrohlich werden.

Menschen mit Migrationshintergrund: In Deutschland ertrinken immer wieder Menschen mit Migrationshintergrund, die nie schwimmen gelernt haben. Viele von ihnen sind in Ländern aufgewachsen, in denen Schwimmunterricht nicht üblich ist, und haben daher keine Erfahrung im Umgang mit Wasser.

Ungeübte Schwimmer:innen: Selbst Erwachsene, die schwimmen können, sind nicht immer sicher im Wasser. Wer nur unregelmäßig schwimmen geht, überschätzt oft seine Fähigkeiten und gerät in gefährliche Situationen, beispielsweise durch Strömungen oder kaltes Wasser, das Muskelkrämpfe verursachen kann.

Kälteschock und Unterkühlung: Besonders problematisch ist die Kälte des Wassers, selbst wenn die Luft bereits warm ist. Schon Temperaturen zwischen 12 und 16 Grad können gefährlich sein, vor allem in tieferen Bereichen von Baggerseen, wo es deutlich kühler sein kann als an der Oberfläche.

Ein Kälteschock tritt auf, wenn zwei Schutzmechanismen des Körpers in Konflikt geraten. Der Tauchreflex, der die Atmung verlangsamt, und die Reaktion auf Kälte, die den Puls erhöht, können sich widersprechen. Dies kann dazu führen, dass Betroffene unter Wasser nach Luft schnappen und ertrinken.

Ein Kälteschock unterscheidet sich von einer Unterkühlung, bei der der Körper versucht, sich durch Muskelzittern zu erwärmen. Bei einer Unterkühlung kann eine Körpertemperatur unter 30 Grad zu Bewusstlosigkeit und gefährlichen Herzrhythmusstörungen führen, die im schlimmsten Fall zum Herzstillstand führen können.

Präventionsmaßnahmen: So schützt man sich und andere

Frühzeitiger Schwimmunterricht: Der beste Schutz vor Ertrinken ist, schwimmen zu können. Kinder sollten so früh wie möglich Schwimmunterricht erhalten. Eltern sollten ihre Kinder ermutigen, regelmäßig schwimmen zu gehen, um ihre Fähigkeiten zu verbessern und Selbstvertrauen im Wasser zu gewinnen. Auch Erwachsene, die nicht sicher schwimmen können, sollten Schwimmkurse besuchen. 

Aufsichtspflicht: Achtung! Schwimmflügel sind kein hinreichender Schutz vor dem Ertrinken! Besonders bei kleinen Kindern ist es daher wichtig, sie nie unbeaufsichtigt in der Nähe von Wasser zu lassen. Selbst in flachen Planschbecken kann ein Kind ertrinken, wenn es unbeobachtet ist. Erwachsene sollten immer in unmittelbarer Nähe sein und aufmerksam bleiben, besonders in der Nähe von Pools, Teichen oder am Strand. Legt immer fest, wer gerade auf das Kind aufpasst und vermeidet so, eine Verantwortungsdiffusion!

Rettungswesten: Beim Bootfahren oder in offenen Gewässern sollten Kinder und unsichere Schwimmer:innen immer eine Rettungsweste tragen. Diese Rettungswesten sollten gut passen und den notwendigen Auftrieb bieten, um die Person über Wasser zu halten.

Gefahrenbewusstsein: Strömungen und unvorhersehbare Wetterbedingungen können selbst erfahrene Schwimmer:innen in Gefahr bringen. Informiere dich immer über die Gegebenheiten des Badeortes und achte auf Warnschilder und Hinweise. Besonders in Flüssen und am Meer sollte man die Strömungsverhältnisse kennen und wissen, wie man sich in einer Gefahrensituation verhalten muss.

Kein Alkohol: Alkohol und Schwimmen vertragen sich nicht. Alkohol beeinträchtigt die Reaktionsfähigkeit und das Urteilsvermögen und kann dazu führen, dass man seine Fähigkeiten überschätzt. Deshalb sollte man nach dem Konsum von Alkohol auf das Schwimmen verzichten.

Erste-Hilfe-Kenntnisse: Jede Person, die regelmäßig Zeit in der Nähe von Wasser verbringt, sollte über grundlegende Erste-Hilfe-Kenntnisse verfügen, insbesondere über die Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW). In einem Notfall kann schnelles und richtiges Handeln Leben retten. Es ist ratsam, regelmäßig einen Erste-Hilfe-Kurs zu besuchen, um im Ernstfall sicher handeln zu können.

Erste Hilfe bei Ertrinkungsunfällen: Schnelles Handeln rettet Leben

Wenn es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem Ertrinkungsunfall kommt, ist schnelles Handeln entscheidend:

1. Rettung aus dem Wasser: Versuche, die Person so schnell wie möglich aus dem Wasser zu holen. Dabei sollte die eigene Sicherheit nicht gefährdet werden. Wenn verfügbar, sollten Rettungsmittel wie ein Rettungsring oder eine lange Stange verwendet werden.

2. Notruf absetzen: Rufe sofort den Notruf (112) an. Informiere den Rettungsdienst über den Zustand der Person und gib an, wie lange sie unter Wasser war.

3. Herz-Lungen-Wiederbelebung (HLW): Falls die Person nicht atmet, muss sofort mit der HLW begonnen werden. Abwechselnd 30 Brustkorbkompressionen und zwei Atemspenden durchführen, bis die Atmung wieder einsetzt oder der Rettungsdienst eintrifft.

4. Wärmeerhalt: Halte die gerettete Person warm, um eine Unterkühlung zu verhindern. eine Rettungsdecke oder trockene Kleidung können hier helfen.

5. Ärztliche Untersuchung: Auch wenn die gerettete Person bei Bewusstsein ist und sich scheinbar erholt hat, sollte sie ärztlich untersucht werden.

Ertrinken bleibt eine stille, aber tödliche Gefahr, die oft unterschätzt wird. Das Bewusstsein für die Risiken und das Ergreifen von Präventionsmaßnahmen können entscheidend sein, um Leben zu retten. Sicherheit im und am Wasser sollte für uns alle oberste Priorität haben, besonders in den Sommermonaten. Nehmt euch die Zeit, die notwendigen Fähigkeiten zu erlernen und zu verinnerlichen, um im Notfall richtig handeln zu können. Diese Vorbereitung kann den Unterschied ausmachen.

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