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Weihnachten, Wärme und Alkohol

Warum Alkohol in der Weihnachtszeit oft unterschätzt wird

Die Weihnachtszeit ist für viele Menschen eine Zeit der Begegnung, der Gemütlichkeit und der Rituale. Weihnachtsmärkte, Glühwein, Punsch, Firmenfeiern oder Treffen mit Freund:innen und Familie gehören für viele ganz selbstverständlich dazu. Alkohol ist dabei oft ein stiller Begleiter, scheinbar harmlos, gesellschaftlich akzeptiert und fest in Traditionen verankert.

Gerade in der Adventszeit wird Alkohol jedoch häufig unterschätzt. Süße Heißgetränke, festliche Stimmung und der soziale Rahmen führen dazu, dass Menschen mehr trinken, als sie eigentlich möchten oder vertragen. Dabei wird oft übersehen, dass Alkohol ein Zellgift ist, mit kurz- und langfristigen Folgen für Körper, Psyche und Gesellschaft.

Süß, warm, unterschätzt: Warum Glühwein & Punsch tückisch sein können

Glühwein, Punsch und ähnliche Getränke schmecken süß, würzig und warm – und genau das macht sie tückisch. Der hohe Zuckergehalt überdeckt den Alkoholgeschmack, sodass viele Menschen schneller und mehr trinken, als ihnen bewusst ist.

Ein verbreiteter Mythos lautet, dass der Alkohol im Glühwein durch das Erhitzen „verdampft“. Das ist falsch. Glühwein darf aus gesundheitlichen Gründen nicht über etwa 80 Grad erhitzt werden, wodurch der Alkohol größtenteils erhalten bleibt. Gesetzlich vorgeschrieben sind sogar Mindestalkoholgehalte.

Hinzu kommt:

  • Wärme und Zucker beschleunigen die Alkoholaufnahme,
  • Alkohol gelangt schneller ins Blut,
  • die Wirkung wird oft erst verzögert wahrgenommen.

Das vermeintliche Wärmegefühl täuscht zudem. Alkohol erweitert die Blutgefäße, wodurch der Körper tatsächlich schneller auskühlt – ein Risiko, besonders bei niedrigen Temperaturen.

Gerade auf Weihnachtsmärkten oder Feiern kann dies dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Grenzen überschreiten, ohne es zu merken.

Folgen von Alkohol

Kurzfristige Auswirkungen

Schon geringe Mengen Alkohol beeinflussen das Gehirn. Reaktionsfähigkeit, Konzentration, Urteilsvermögen und Koordination nehmen ab. Das erhöht unter anderem das Risiko für:

  • Unfälle im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz
  • Stürze, Verletzungen, Erfrierungen
  • riskantes Verhalten, etwa ungeschützten Sex
  • Aggressionen und Gewalt

Viele dieser Folgen werden gesellschaftlich verharmlost, sind aber real und betreffen nicht nur die konsumierende Person, sondern auch andere.

Langfristige gesundheitliche Folgen

Alkohol ist eine toxische, psychoaktive und abhängig machende Substanz. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stellt klar: Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge Alkohol.

Regelmäßiger Alkoholkonsum erhöht unter anderem das Risiko für:

  • Lebererkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • neurologische und psychische Erkrankungen
  • Abhängigkeit
  • Krebserkrankungen (u. a. Brust-, Darm-, Leber-, Mund- und Rachenkrebs)

Besonders relevant: Ein großer Teil alkoholbedingter Krebserkrankungen entsteht bereits durch leichten bis moderaten Konsum. Das Risiko beginnt beim ersten Tropfen – nicht erst bei exzessivem Trinken.

Warum Alkoholrisiken so leicht verdrängt werden

Alkohol ist tief in unserer Kultur verankert. Er gilt als Genussmittel, Stresslöser oder sozialer „Türöffner“. Werbung, Traditionen und gesellschaftliche Normen tragen dazu bei, dass Risiken ausgeblendet werden.

Hinzu kommt, dass viele Menschen Alkohol nutzen, um:

  • Stress abzubauen
  • Unsicherheiten zu überwinden
  • dazuzugehören
  • emotionale Belastungen zu kompensieren

Gerade in einer emotional aufgeladenen Zeit wie Weihnachten kann dies problematisch werden. Alkohol wird dann nicht bewusst konsumiert, sondern aus Gewohnheit oder sozialem Druck heraus.

Prävention statt Verzicht: Bewusster Umgang mit Alkohol

Prävention bedeutet nicht, dass alle Menschen vollständig auf Alkohol verzichten müssen. Vielmehr geht es darum, informierte Entscheidungen zu treffen und die eigenen Grenzen zu kennen.

Ein bewusster Umgang kann zum Beispiel bedeuten:

  • alkoholische und alkoholfreie Getränke abzuwechseln
  • sich im Vorfeld eine Grenze zu setzen
  • auf das eigene Körpergefühl zu achten
  • alkoholfreie Alternativen bewusst auszuprobieren
  • „Nein“ sagen zu dürfen, ohne sich erklären zu müssen

Wichtig ist auch: Bestimmte Lebensphasen erfordern klaren Alkoholverzicht, etwa Schwangerschaft, Jugendalter, bei bestimmten Erkrankungen, Medikamenteneinnahme oder im Straßenverkehr.

Wenn Alkohol problematisch wird – und was dann hilft

Problematischer Alkoholkonsum entwickelt sich oft schleichend. Hinweise können sein:

  • Kontrollverlust über Menge oder Häufigkeit
  • starkes Verlangen nach Alkohol
  • Trinken trotz negativer Folgen
  • Vernachlässigung anderer Lebensbereiche

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit – keine Charakterschwäche. Frühzeitige Unterstützung kann viel Leid verhindern. Ärztliche Beratung, Beratungsstellen und Selbsthilfeangebote stehen Betroffenen und Angehörigen zur Seite.

Achtsam durch die Weihnachtszeit

Weihnachten soll verbinden, wärmen und guttun – körperlich wie emotional. Alkohol gehört für viele dazu, doch er ist kein harmloser Begleiter. Gerade in der Adventszeit lohnt es sich, einen bewussten Blick auf den eigenen Konsum zu werfen.

Aufklärung schützt. Wissen stärkt.

Ein achtsamer Umgang mit Alkohol bedeutet nicht Verzicht, sondern Verantwortung – für die eigene Gesundheit und die der anderen.

Vielleicht ist diese Weihnachtszeit eine gute Gelegenheit, neue Rituale zu entdecken: Genuss ohne Rausch, Gemeinschaft ohne Druck und Wärme, die von innen kommt – nicht aus dem Becher.

Alkohol? Kenn dein Limit – Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit

Bayrisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention

Deutsches Ärzteblatt

Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS)

Johanniter

Stiftung Gesundheitswissen

Süddeutsche Zeitung

Weltgesundheitsorganisation (WHO)