Aufklären, verstehen, vorbeugen
Der 14. November steht weltweit im Zeichen von Diabetes mellitus, einer der häufigsten chronischen Erkrankungen. Jährlich erreicht der Welt-Diabetes-Tag über eine Milliarde Menschen, mit dem Ziel, Wissen zu teilen, Bewusstsein zu schaffen und Betroffene zu stärken.
Er wurde 1991 von der International Diabetes Federation und der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen, als Reaktion auf die weltweit steigende Zahl an Diabeteserkrankungen. Seit 2006 ist der Tag zudem ein offizieller UN-Gedenktag.
Das Datum, der 14. November, erinnert an den Geburtstag von Frederick Banting, der 1921 gemeinsam mit Charles Best das Hormon Insulin entdeckte, eine Entdeckung, die Millionen Leben rettete und das Verständnis von Stoffwechselerkrankungen revolutionierte.
Warum der Welt-Diabetes-Tag so wichtig ist
Diabetes ist längst eine globale Herausforderung. 2024 lebten laut der International Diabetes Federation weltweit rund 590 Millionen Menschen mit Diabetes. Es wird erwartet, dass 2050 850 Millionen Menschen mit Diabetes leben.
Auch in Deutschland zählt Diabetes mellitus zu den häufigsten chronischen Erkrankungen: Laut der Deutschen Diabetes-Hilfe leben aktuell rund 11 Millionen Menschen mit Diabetes, 9,1 Millionen Menschen mit einer Typ-2-Diabetes-Diagnose, hinzu kommen etwa 370.000 Menschen mit Typ-1-Diabetes und schätzungsweise 2 Millionen weitere, die nichts von ihrer Erkrankung wissen.
Diese Zahlen zeigen: Früherkennung, Aufklärung und Prävention sind entscheidend. Der Welt-Diabetes-Tag 2025 bietet Anlass, hinzusehen, zuzuhören und das Wissen über Diabetes zu vertiefen – für mehr Verständnis, weniger Stigmatisierung und bessere Versorgung.
Mehr als eine Zahl: Leben mit Diabetes
Diabetes ist keine seltene Erkrankung und dennoch wird sie oft missverstanden. Menschen mit Diabetes sehen sich nicht nur mit medizinischen, sondern auch mit gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert.
Eine weltweite Kampagne des Gesundheitsunternehmens Abbott hat gezeigt:
- Fast jede vierte Person mit Diabetes erlebt Stigmatisierung im Alltag.
- Rund 40 % berichten von negativen Kommentaren in sozialen Medien.
Und ebenso viele geben an, schon einmal einen Arzttermin aus Scham verpasst zu haben.
Das zeigt, wie wichtig es ist, offen über Diabetes zu sprechen, Vorurteile abzubauen und Betroffene zu stärken. Der Welt-Diabetes-Tag will genau das erreichen: Aufklärung statt Ausgrenzung.
Was ist Diabetes mellitus überhaupt?
Diabetes mellitus, oft einfach Diabetes oder Zuckerkrankheit genannt, beschreibt eine Gruppe von Stoffwechselerkrankungen, bei denen der Blutzuckerspiegel chronisch erhöht ist. Ursache ist immer eine Störung im Insulinstoffwechsel, entweder produziert der Körper zu wenig Insulin oder kann es nicht richtig nutzen.
Insulin ist ein lebenswichtiges Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird. Es sorgt dafür, dass Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen gelangt, wo er als Energiequelle dient. Fehlt Insulin oder ist seine Wirkung gestört, bleibt Zucker im Blut. Dies führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel steigt, langfristig drohen Schädigungen an Blutgefäßen, Nerven und Organen.
Zwei Hauptformen: Typ-1- und Typ-2-Diabetes
Typ-1-Diabetes: Wenn das Immunsystem sich gegen den Körper richtet
Beim Typ-1-Diabetes handelt es sich um eine Autoimmunerkrankung. Das körpereigene Immunsystem zerstört die Zellen in der Bauchspeicheldrüse, die Insulin produzieren. Die Folge: Der Körper kann kein eigenes Insulin mehr herstellen. Diese Form tritt meist im Kindes- oder Jugendalter auf, kann aber auch Erwachsene betreffen. Die Erkrankung beginnt oft plötzlich. Typische Warnzeichen sind:
- starker Durst
- häufiger Harndrang
- Müdigkeit und Antriebsschwäche
Gewichtsverlust und Übelkeit
Unbehandelt kann es zu einer gefährlichen Überzuckerung (Ketoazidose) kommen, die im schlimmsten Fall lebensbedrohlich ist.
Da die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr bildet, müssen Betroffene lebenslang Insulin zuführen, per Pen, Pumpe oder modernen Sensor-Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung.
Typ-2-Diabetes: Wenn der Körper nicht mehr richtig reagiert
Typ-2-Diabetes ist mit über 90 % aller Fälle die häufigste Form der Erkrankung. Hier produziert die Bauchspeicheldrüse zwar Insulin, doch die Körperzellen reagieren nicht mehr ausreichend darauf, eine sogenannte Insulinresistenz entsteht. In der Folge steigt der Blutzuckerspiegel dauerhaft an. Typ-2-Diabetes entwickelt sich meist schleichend, oft über Jahre hinweg, ohne klare Symptome.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Bewegungsmangel
- Übergewicht
- unausgewogene Ernährung
- Rauchen
familiäre Vorbelastung
Früher als „Altersdiabetes“ bezeichnet, betrifft Typ-2-Diabetes heute zunehmend auch junge Erwachsene und Jugendliche, ein Spiegel moderner Lebensgewohnheiten.
Typische Anzeichen können sein:
- ständiger Durst und häufiger Harndrang
- Müdigkeit, Schwindel oder Sehstörungen
schlecht heilende Wunden
Die gute Nachricht: Typ-2-Diabetes ist in vielen Fällen vermeidbar oder positiv beeinflussbar. Ein aktiver Lebensstil, mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Gewichtsreduktion, kann den Verlauf entscheidend verbessern oder sogar verhindern, dass die Krankheit fortschreitet.
Unerkannt unterwegs – und doch betroffen
Erschreckend ist: Etwa 2 Millionen Menschen in Deutschland leben mit einem unentdeckten Diabetes.
Ein erhöhter Blutzucker verursacht anfangs kaum Beschwerden, doch unbehandelt kann er Herz, Nieren, Augen und Nerven ernsthaft schädigen.
Je früher die Diagnose gestellt wird, desto besser sind die Chancen, Folgeerkrankungen zu vermeiden. Ein hilfreiches Instrument ist der Deutsche Diabetes-Risiko-Test, der das persönliche Risiko für Typ-2-Diabetes in den nächsten fünf Jahren einschätzt. Der Test ist kostenlos online verfügbar.
Aufklärung, Empathie und Engagement
Der Welt-Diabetes-Tag ist mehr als ein Datum im Kalender. Er ist ein Appell, hinzusehen, zuzuhören und zu handeln.
Aktionen wie die #BlueBalloonChallenge oder die STIGMA-Kampagne machen sichtbar, wie es ist, mit Diabetes zu leben – zwischen Selbstmanagement, gesellschaftlichen Erwartungen und dem Wunsch nach Normalität.
Gleichzeitig zeigen sie: Mit Wissen, Verständnis und Solidarität können wir Barrieren abbauen und Gesundheit fördern – für alle.
Fazit: Bewusstsein schaffen, Leben stärken
Diabetes betrifft Millionen Menschen weltweit, aber jede:r Einzelne kann dazu beitragen, dass die Erkrankung früher erkannt, besser verstanden und mit weniger Vorurteilen begegnet wird.
Der Welt-Diabetes-Tag erinnert uns daran, dass Gesundheit immer auch Bildung, Prävention und Gemeinschaft bedeutet.
Denn Aufklärung ist der erste Schritt – zu einem bewussteren Umgang mit sich selbst und zu einer Gesellschaft, die Verantwortung teilt.
Bundesministerium für Gesundheit – Diabetes Typ 1
Bundesministerium für Gesundheit – Diabetes Typ 2


