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Burn-out und Bore-out im Beruf

Zwischen Überforderung und Unterforderung

In der heutigen Arbeitswelt erleben viele Arbeitnehmer:Innen in Deutschland zwei Extreme: Burn-out und Bore-out. Das Burn-out-Syndrom ist durch Überlastung und ständigen Stress gekennzeichnet. Bore-out hingegen beschreibt das Gefühl von Unterforderung und Langeweile im Job. Diese beiden Zustände haben massive Auswirkungen auf die psychische Gesundheit und das Wohlbefinden am Arbeitsplatz.

Eine aktuelle Umfrage der pronova BKK belegt, dass eine erhebliche Zahl von Beschäftigten entweder unter zu viel oder zu wenig Arbeit leidet. Überlastung und unklare Aufgabenverteilungen sind die Hauptursachen für einen Burn-out, der sich in Symptomen wie Erschöpfung, Schlafstörungen und Konzentrationsproblemen äußert. Betroffene fühlen sich oft „ausgebrannt“ und unfähig, sich zu erholen. Das kann langfristig zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen. Diese Form des psychischen Ausbrennens ist keine Seltenheit. Eine große Zahl von Arbeitnehmern in Deutschland berichtet über das Gefühl ständiger Überforderung.

Auf der anderen Seite steht das Bore-out-Syndrom, das zwar weniger bekannt, aber ebenso belastend ist und endlich als das bezeichnet werden muss, was es ist: eine ernstzunehmende Erkrankung. Beschäftigte, die unter Bore-out leiden, sind klar unzufrieden mit ihrer Arbeitssituation. Sie fühlen sich unterfordert und gelangweilt. Zudem empfinden sie, dass sie in ihrer Arbeit nicht ausreichend gefordert werden. Dies führt zu einem Gefühl der Sinnlosigkeit, das ebenso schwerwiegende Auswirkungen auf die psychische Gesundheit haben kann wie Überlastung. Die ständige Langeweile und das Fehlen von herausfordernden Aufgaben führen dazu, dass sich Betroffene oft wertlos und demotiviert fühlen – und das zu Recht!

Die pronova BKK-Umfrage zeigt eindeutig: 87 % der Arbeitnehmer in Deutschland fühlen sich regelmäßig gestresst. Ein Drittel der Befragten zeigte Anzeichen eines Burn-outs oder Bore-outs. Diese Zahlen beweisen: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind keine Randerscheinung, sondern tief in der Arbeitskultur verankert. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass sowohl Überlastung als auch Unterforderung zu den Kernproblemen gehören.

Eine gesunde Work-Life-Balance ist das Fundament für ein ausgeglichenes Leben und beugt Burn-out und Bore-out vor. Viele Arbeitnehmer:Innen berichten, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zunehmend verschwimmen. Das führt dazu, dass die Erholung nach der Arbeit erschwert wird. Die Zunahme von Homeoffice während der Corona-Pandemie hat dazu geführt, dass viele Menschen Schwierigkeiten haben, klare Grenzen zu setzen. Dadurch ist die Gefahr der Überlastung deutlich gestiegen. Andererseits sind Arbeitnehmer:Innen, die unter Bore-out leiden, oft nicht in der Lage, die mangelnde Herausforderung in ihrer Arbeit auszugleichen. Das verstärkt ihre Unzufriedenheit.

Daher fordern Expert:innen zu Recht eine Stärkung der mentalen Gesundheit am Arbeitsplatz. Arbeitgeber:innen müssen dafür sorgen, dass die Bedürfnisse der Mitarbeiter berücksichtigt werden. Dazu gehört nicht nur die Vermeidung von Überlastung, sondern auch die Schaffung von ausreichend herausfordernden Aufgaben, um Unterforderung zu vermeiden. Regelmäßige Schulungen und Workshops zur Stressbewältigung sowie flexible Arbeitsmodelle sind unerlässlich, um die psychischen Belastungen zu verringern. Arbeitnehmer:innen müssen die Möglichkeit haben, offen über ihre Bedürfnisse und Probleme zu sprechen, ohne Angst vor Stigmatisierung haben zu müssen.

Sie müssen auch lernen, mit Stress umzugehen. Als Arbeitnehmer:In können Sie selbst einiges tun, um einem Burn-out oder Bore-out vorzubeugen. Dazu gehören regelmäßige Pausen, Entspannungstechniken wie Yoga oder Meditation und eine klare Trennung von Arbeits- und Freizeit. Ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, ausgewogener Ernährung und körperlicher Bewegung ist das A und O, um das Risiko psychischer Überlastung zu reduzieren.

Die Rolle der Führungskräfte darf nicht unterschätzt werden. Sie sollten nicht nur als Leistungserbringer:Innen betrachtet werden, sondern als Mentor:innen, die ein offenes Ohr für die Bedürfnisse ihrer Mitarbeiter:innen haben – und diese Bedürfnisse auch durchsetzen. Führungskräfte müssen in der Lage sein, Anzeichen von Burn-out und Bore-out frühzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. Dazu gehört es, den Dialog zu fördern, Feedback zu geben und realistische Arbeitsanforderungen zu setzen. Führungskräfte tragen die Verantwortung dafür, eine positive Arbeitskultur zu fördern. Nur so können sie das Wohlbefinden ihrer Teams langfristig sichern.

Die Umfrage der pronova BKK zeigt: Psychische Belastungen am Arbeitsplatz sind in Deutschland ein zentrales Thema. Die steigenden Zahlen von Burn-out und Bore-out machen eines ganz deutlich: Sowohl Arbeitnehmer:innen als auch Arbeitgeber:innen sind gefordert, aktiv dagegen vorzugehen. Es ist daher unerlässlich, sowohl individuelle Strategien zur Stressbewältigung zu fördern als auch strukturelle Veränderungen in der Arbeitswelt voranzutreiben, um ein gesundes und produktives Arbeitsumfeld zu schaffen.

Deshalb gilt: Die mentale Gesundheit am Arbeitsplatz ist keine Privatsache, sondern eine gemeinsame Verantwortung von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen. Ein gesundes Arbeitsumfeld, das sowohl Überlastung als auch Unterforderung vermeidet, ist der Schlüssel, um Burn-out und Bore-out entgegenzuwirken – daran führt kein Weg vorbei. Wir müssen das Bewusstsein für diese Probleme schärfen und konkrete Maßnahmen ergreifen. Nur so können wir eine Arbeitskultur schaffen, in der jeder sein volles Potenzial entfalten kann, ohne dabei seine Gesundheit zu gefährden.

Studie: https://www.pronovabkk.de/unternehmen/presse/studien/arbeiten-2023.html